Samstag, 28. Juni 2014

Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure.

-Our deepest fear-

Our deepest fear is not that we are inadequate. 
Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. 

It is our light, not our darkness that most frightens us. 

We ask ourselves: 
Who am I to be brilliant, gorgeous, talented, fabulous?
Actually, who are you not to be?

You are a child of God. 
Your small playing does not serve the world. 

There´s nothing enlightened about shrinking
so that other people
won´t feel insecure around you. 

We are all meant to shine, as children do. 
We were born to make manifest the glory of God
that is within us. 

It´s not just in some of us; it´s in everyone. 

And as we let our light shine, 
we unconsciously give other people permission to do the same. 

As we´re liberated from our own fear, 
our presence automatically liberates others.


- Marianne Williamson

Samstag, 21. Juni 2014

If you quit, no day will ever be your day





Wer keine Kraft zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen. 
Und was bedeutet Träumen? Träumen bedeutet, sich seinen Wunsch für die eigene Zukunft, die Zukunft der Welt innerlich vorstellen zu können. Nur so kann man sich motivieren, sich zu ändern, dazu zu lernen und innerlich zu wachsen. 

Samstag, 14. Juni 2014

Ein paar Gedanken, die dir beim "Ausstieg" aus der sozialen Phobie helfen können

Wie schon erwähnt, hatte ich ja auch schon Phasen, in denen ich nicht gern unter Leute gegangen bin. Das kennen sicherlich auch viele von euch. Man hat das Gefühl, als würde man von allen anderen beobachtet werden. Das führt wiederum dazu, dass man sich komisch verhält, und dann wirklich seltsam wirkt und auch seltsame Blicke erntet. Aber was hat mir geholfen, diesen Gedankenkreisel zu unterbrechen? Oder war ich früher wirklich einfach schon vom Grundcharakter oder meinem grundsätzlichen Verhalten her komisch und bin es heute nicht mehr?

Auch wenn ich schon oft über dieses Thema geschrieben habe, schadet es doch nicht, immer wieder neue Aspekte dieser Problematik zu beleuchten. Ich habe für euch ein paar Punkte zusammengefasst, die sich vor allem auf den öffentlichen, anonymen Raum beziehen, also beispielsweise die Fußgängerzone etc.

1) Andere Leute haben mit sich selbst genug zu tun. 
Sie haben ihre eigenen Probleme. Auch wenn du wirklich komisch wirkst oder dich komisch verhältst: Ein normaler Mensch wird das zwar registrieren, aber das war´s dann auch schon. Nach einer Minute wendet er sich wieder seinen eigenen Angelegenheiten zu. Du bist schlicht nicht wichtig genug für ihn, denn er kennt dich ja nicht.

2) Versetz dich in dein Gegenüber.
Stell dir selbst die Frage: Was wäre für dich komisches Verhalten? Und was würdest du von jemandem denken, der sich in deinen Augen komisch verhält? Würdest du dir den ganzen Tag Gedanken über diesen Menschen machen? Die Antwort auf die erste und zweite Frage weißt nur du selbst. Vielleicht findest du übertriebene Schüchternheit komisch. Also, wenn ich jemandem begegne, der übertrieben schüchtern ist, dann habe ich eher "mütterliche" Gefühle. Ich möchte der Person helfen. Wieso sollte ich mich auch lustigmachen? Es gäbe keinen Grund. Aber die dritte Frage beantworten die meisten Menschen mit "nein". Darüber solltest du nachdenken.

3) Aussehen: Nur die wenigsten erkennen einen Bulimiker auf den ersten Blick
Solange jemand noch keine Berührung mit dem Thema Bulimie hatte, also selbst noch nicht betroffen war oder niemanden mit dieser Krankheit kennt, wird er es auch nicht erkennen. Er wird es niemandem im Gesicht ablesen können, ob derjenige Bulimie hat. Wenn er es erkennt, ist er in irgendeiner Weise schon mit dem Thema in Berührung gekommen und weiß, wie hart es ist. Es ist also absurd zu denken, dass man sich beispielsweise durch seine Hamsterbacken gleich als Bulimiker outet. Selbst wenn man wirklich Hamsterbacken hat, könnte das ja (für Außenstehende) theoretisch auch ganz andere Ursachen haben: Weisheitszahn-OP, Mumps, eine Allergie, etc.

4) Dein Selbstbild bestimmt den Eindruck beim Gegenüber 
Du gibst mit deiner Meinung von dir selbst die Meinung vor, die andere Menschen von dir haben. Der erste Eindruck ist hierfür immer entscheidend. Wenn jemand selbstbewusst ist, dann gehe ich davon aus, dass er einen Grund dafür hat. Er hat einen Selbstwert (Selbstwert und Selbstbewusstsein sind eigentlich zwei verschiedene Dinge, werden aber oft für dieselbe Sache verwendet- Selbstbewusstsein meint eigentlich, dass sich jemand "seiner selbst bewusst" ist und im Grunde weiß, wer er ist). Ja, er hat einen Selbstwert und der ist nach außen hin sichtbar. Wenn jemand kein Selbstbewusstsein und dann oft auch keinen Selbstwert hat, macht er das auch durch sein Verhalten nach außen hin sichtbar. Er gibt anderen das Signal "ich bin nichts wert". Auch wenn das Gegenüber noch so wohlwollend ist und Respekt zeigt- auf die Dauer ist das enorm anstrengend. Man muss seinen Selbstwert selbst finden. Dann wird man automatisch auf andere, bessere Reaktionen stoßen.

Montag, 26. Mai 2014

Was ist "gesunde Ernährung" überhaupt?

Wahrscheinlich hat sich jeder von euch schon einmal gefragt, wie die optimale Ernährung aussieht. Es gibt viele Ernährungsformen, und jede behauptet von sich selbst, die gesündeste zu sein. Mit jedem neuen Ernährungs-"Trend" fühlt man sich, besonders wenn das eigene Essverhalten nicht ganz so gefestigt ist, verunsichert: soll ich jetzt Milchprodukte weglassen? Abends keine Kohlenhydrate mehr, oder am besten ganz auf Kohlenhydrate verzichten? Und wie soll das überhaupt funktionieren? Sicher habt ihr euch diese Fragen so oder so ähnlich auch schon mal gestellt.
Doch was ist überhaupt gesunde Ernährung- und gibt es eine Form der Ernährung, die für alle die beste ist? Und gibt es eine bestimmte Ernährungsform, die besonders gut ist, um den Ausstieg aus der Bulimie zu unterstützen? Dem werde ich heute nachgehen.

Ich kann hier keine Ernährungsregeln aufstellen. Vor allem auch deshalb nicht, weil ich selbst meinen Weg aus dem FA-Dickicht ohne jegliche "Regeln" beschritten habe. Und wie ihr merkt, wiederspreche ich an dieser Stelle auch ein wenig dem Artikel aus der vorletzten Woche- siehe Punkt 8 und 10. Wieder ein Zeichen dafür, dass Ernährungsregeln nicht unbedingt viel oder nicht unbedingt bei jedem helfen. Aber was mir geholfen hat, war folgendes: Ich habe mir eine Mahlzeit ausgesucht, die mir "heilig" sein sollte: bei mir war es das Frühstück. Wenigstens für das Frühstück wollte ich mir Zeit nehmen und es zelebrieren. Dafür habe ich schön eingekauft, war meistens beim Bäcker, habe nicht die Kalorien nicht begrenzt (es waren schon sicherlich um die 1000 Kalorien- zur Orientierung: eine Rosinenschnecke und 1-2 Brötchen waren nur die Grundlage, dazu Eier, Käse,...) und es wirklich genossen. Und das jeden Tag. Ich hatte irgendwann das Gefühl, ohne richtiges Frühstück nicht funktionieren zu können.

Nach 2-3 Jahren habe ich dann festgestellt, dass ich generell zuviele Backwaren verzehrte- ja, mein Verdauungstrakt machte sich auf unangenehme Art und Weise bemerkbar. Darum musste ich meine Ernährung wieder ein bisschen umstellen, und heute ernähre ich mich so, dass man es gemeinhin als "gesund" bezeichnen könnte: Obst und Gemüse stellen meine Ernährungsgrundlage dar, und ich habe seit Längerem mehrmals täglich Lust auf was Frisches- das kannte ich früher nicht. Vielleicht haltet ihr es für unvorstellbar- aber es geht dabei nicht um Kalorien, oder darum sie einzusparen. Vielmehr habe ich heute das Gefühl, meinem Körper das zu geben, was er braucht. Und das ist eben mal ein Stück Fenchel oder gebratene Auberginen, oder ein Stück Mohnstreuselkuchen. Oft auch in Phasen- gerade esse ich sehr viele Tomaten mit Basilikum und letzte Woche musste ich 4 Pakete Heidelbeeren kaufen....

Aber dennoch muss ich sagen, dass ich es damals nicht geschafft hätte, wenn ich sofort versucht hätte, mich "total gesund" zu ernähren. Niemals. Ich musste mit den Lebensmitteln arbeiten, die mir bekannt waren. Das heißt nicht, dass ich mich völlig ungesund ernährt hätte- ich habe sehr viel im Bioladen eingekauft, viele Vollkornprodukte und auch Obst und Gemüse. Ich weiß einfach wirklich nicht, ob es einen Masterplan dafür gibt. Aber meine Erfahrung sagt, dass es mit der Zeit kommt, und dass sich der Körper auch anpasst: möglicherweise könnte man es so erklären: die erste Stufe besteht daraus, das Essverhalten zu strukturieren, also z.B. nicht ständig zu essen, sondern -wenigstens grob- Mahlzeiten einzuhalten. Im nächsten Schritt kann dann die Ernährung an sich adaptiert und verbessert werden. Beides zusammen und gleichzeitig führt sicherlich zur Überforderung.

Zum Thema Intution: Man hört ja immer, man solle das essen, worauf man Lust hat, und auf seinen Körper hören. Das ist aber ganz schön schwer, wenn man den Körper immer "verarscht" und an der Nase herumführt: erst gibt man ihm, was er scheinbar will, und dann nimmt man es ihm wieder weg. Kein Wunder, dass viele Bulimiker oft auch mit Insulinproblemen und niedrigen Blutzuckerspiegeln zu kämpfen haben- und natürlich mit vielen anderen körperlichen Folgen.

Das richtige Essen -und somit eine gesunde Ernährung- kann nur dann funktionieren, wenn man sich eine Chance gibt und es lernt. Lernen funktioniert nur, wenn man es immer wieder tut. Wenn man immer wieder auf sich hört und dem Körper dann auch das gibt, wonach er verlangt. Dabei ist es ganz besonders schwierig, zwischen der Intuition, also dem emotionalen Erfahrungsschatz, und dem Verstand ("wieviele Kalorien, ...") zu unterscheiden. Und das kann jeder lernen! Auch bei mir hat es wirklich lange gedauert. Und es kann auch nur dann funktionieren, wenn man sich aus seiner Komfortzone herausbewegt: das bedeutet, neue Lebensmittel auszuprobieren, damit sie in die körpereigene "Datenbank" eingespeichert werden können, wenn der Körper mir wieder sagen soll, worauf er Lust hat. Wenn die Datenbank nur voll ist von Kuchen, Keksen, Pizza & Co., dann kann er mir auch nicht aus dem Nichts etwas anderes hervorzaubern. Ich mache das übrigens immer noch, und speise immer wieder neue Lebensmittel in die Datenbank ein. Das ist ein Punkt, den ich für überaus wichtig halte, und den ich in dieser Form noch in keiner Ratgeberliteratur lesen konnte. Kein Wunder, dass sie so oft nicht funktioniert... Also: Möbelt eure Datenbank auf!

Eine per se gesunde Ernährungsweise, die also für alle gleichermaßen gilt, sei es vegan, Paleo o.ä., gibt es meiner Meinung nach nicht. Möglicherweise schreibe ich zum Thema "vegan" noch mal einen gesonderten Artikel- falls es jemanden interessiert (?).

Habt ihr auch eine Mahlzeit, die euch ganz besonders wichtig ist?

--- Kleiner Nachtrag vom 14.06.: Ich habe noch einen Artikel gefunden, den ich für lesenswert halte. Er ist zwar schon etwas älter, aber wie ich es um mich herum und in der öffentlichen Diskussion so mitbekomme, sind die Einstellungen zum Essen in der Gesellschaft mittlerweile sogar noch extremer geworden: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/05/Titel_Ernaehrung.xml Ihr seht also, es gibt mehr als eine Meinung zu dieser Frage "Was ist gesunde Ernährung"...---

Sonntag, 18. Mai 2014

Warum habe ich Haarausfall bei Bulimie?

Haarausfall erleben viele, die an Bulimie erkrankt sind, früher oder später. So auch ich: Nach ca. eineinhalb Jahren Bulimie bekam ich schlagartig Haarausfall- büschelweise. Es war so schlimm, dass es mich auch für einige Tage vom Erbrechen abgehalten hat (und den FAs). Leider hielt der Schock nicht an, obwohl meine Haare weiterhin ausfielen. Mal mehr, mal weniger. Mit jedem neuen Tiefstgewicht erreichte der Haarausfall einen neuen Höhepunkt. Meist war er tatsächlich schlimmer, je weniger ich wog. Doch eine wirkliche Faustregel dafür gab es nie.

Heute ist mein Haar wieder völlig normal, also so wie vor der Bulimie. Ich merke jedoch immer noch, dass ich bei übermäßigem Stress Haare verliere. Das ist dann aber meiner Meinung nach das dringendste Warnsignal, das mein Körper mir geben kann, weshalb ich es sehr ernst nehme.

Generell ist zu sagen, dass Haarausfall sowohl seelisch als auch körperlich bedingt sein kann und sich beide Faktoren wechselseitig beeinflussen.
Besonders kritisch ist es für den Körper, wenn neben den FAs generell wenig gegessen wird. Die FAs bestehen meist aus nährstoffarmen Lebensmitteln, die wenige Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Gesunde, nährstoffreiche Lebensmittel werden in der restlichen, FA-freien Zeit, jedoch auch nicht aufgenommen. So kann es leicht zu Mangelerscheinungen kommen, die sich über die Zeit aufrechterhalten und einen permanenten Haarausfall auslösen bzw. dem Haar keine Möglichkeit geben, sich zu regenerieren und aufzubauen.

Mögliche Auslöser

Eisenmangel
Besonders bei Vegetariern und Veganern verbreitet. Bei Vegetariern besteht sogar ein größeres Risiko als bei Veganern, da Milchprodukte die Eisenaufnahme hemmen. Ein normaler Wert bei Frauen liegt zwischen 6,3 bis 20,1 Mikromol pro Liter, wobei das sog. "Transferrin" gemessen wird (eine bestimme Eisenform, die im Blut enthalten ist). Eisenmangel kann sich neben Haarausfall in Müdigkeit, Vergesslichkeit oder auch in eingerissenen Mundwinkeln äußern.

Eiweißmangel
An einen Mangel an Eiweiß denken viele zunächst nicht, wenn es um Haarausfall geht. Haare bestehen jedoch zu 97 bis 100 % aus Proteinen (Keratin). Wenn zuwenig Eiweiß mit der Nahrung aufgenommen wird (die sog. "essentiellen" Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann), fehlen dem Körper die notwendigen Bausteine, um Haare überhaupt erst aufbauen zu können.
Wenn bei Bulimie neben FAs nichts bis wenig gegessen wird, um Kalorien einzusparen, ist das Risiko eines Eiweißmangels hoch, denn während der FAs werden meist zucker- und fetthaltige Lebensmitteln konsumiert. Dadurch kann es schnell zu einem Eiweißmangel kommen.

Zinkmangel
Zinkmangel ist insbesondere unter Vegetariern und Veganern verbreitet, da Zink aus tierischen Lebensmitteln leichter zu verwerten ist als aus pflanzlichen Quellen (ähnliches gilt für Eisen). Zinkmangel kann sich neben Haarausfall in weißen Flecken auf den Nägeln, einer erhöhten Infektanfälligkeit oder Verstopfung äußern. Stress kann Zinkmangel zudem verstärken, weil er die Verwertung des Minerals erschwert.

Kalziummangel
Kalzium ist, zusammen mit Phosphat eines der Hauptbestandteile von Knochen und Zähnen und wichtig für den Aufbau von Haaren. Wenn dem Körper Kalzium fehlt, entzieht er es zunächst scheinbar "unwichtigen" Stellen wie dem Haarboden, was zu Haarausfall führen kann. Darum ist es wichtig, dem Körper genug Kalzium über die Nahrung zuzuführen.

Selenmangel
Selen wird vom Körper aus Baustein zum Aufbau von Eiweiß benötigt. Wenn Selen also fehlt, fehlt auch das Eiweiß zum Aufbau von Haaren, wodurch es zu Haarausfall kommen kann. Selenmangel ist ähnlich wie Zinkmangel an weißen Flecken auf den Nägeln zu erkennen, aber auch an vielen weiteren Symptomen, wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, einer Aufhellung der Haare, Ödemen und vielen weiteren.

Vitaminmangel
Wenn zu wenige Vitamine aufgenommen werden, können die Haarwurzeln nicht mit Vitaminen versorgt werden, was zu Haarausfall führen kann.  Insbesondere die B-Vitamine sind wichtig für die Haare, aber auch ein Mangel an A- und C-Vitaminen kann sich in Haarausfall äußern.

Durchblutungsstörungen
Wenn die Kopfhaut zu wenig durchblutet wird, kann dies ebenfalls Haarausfall hervorrufen. Viele Bulimiker haben generelle Durchblutungsstörungen ("absterbende" Finger, kalte Hände, etc.), was sich auch auf der Kopfhaut bemerkbar machen kann. Aber auch hoher Kaffeekonsum, der die Blutgefäße verengt, kann dies begünstigen.

Stress
Dieser Mechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich erhöht Stress die Konzentration von Noradrenalin an den Haarwurzeln, wodurch Entzündungsprozesse in Gang gesetzt werden, die nach 2-3 Monaten zum Abstoßen der Haare führen.

Hormonstörungen
Auch ein Überschuss an männlichen Hormonen, also ein Hormonungleichgewicht, kann zu Haarausfall führen. Nicht immer muss die Gabe eines Hormonpräparats (Anti-Baby-Pille o.ä.) erfolgen, um die Hormone wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auch eine Normalisierung des Essverhaltens kann die Balance wieder herstellen!

Weitere
Auch Erkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen, ein erhöhter Blutdruck, Medikamente, Chemikalien und eine falsche Pflege der Haare (glätten, zu heiß föhnen etc.) kann Haarausfall bewirken. Die oben genannten Faktoren sind bei Bulimie jedoch wahrscheinlicher.

Was ist zu tun? 

Wichtig: geh zum Arzt und lass die o.g. Faktoren untersuchen. Oftmals wird beispielsweise ein Eisenmangel diagnostiziert, dann behoben, doch der Haarausfall besteht weiterhin. Dann ist es hilfreich, andere mögliche Ursachen zu kennen und auch zu wissen, dass die Psyche eine große Rolle spielt. Wie gesagt- wenn ich mich zu stark unter Druck setze, bekomme ich immer noch Haarausfall, obwohl ich seit Jahren normal esse. Dann weiß ich, dass mein Körper mich warnt, und ich kann mich dementsprechend verhalten.

Seht den Haarausfall auch so: als Warnsignal- der Körper versucht sich zu schützen, und die Haare sind nicht überlebenswichtig, weshalb er zuerst dort "angreift".

Eine wohl unbestreitbar wichtige Funktion kommt an dieser Stelle auch Ergänzungspräparaten wie Biotin oder Kieselerde zu. Letzteres ist in Form von Gel besser für den Körper verfügbar. Bei Bulimie und entsprechenden Mangelerscheinungen kann man fast sicher davon ausgehen, dass Kieselerde hilft- insbesondere weil ein Zuviel davon nicht schädlich ist.

Wichtig zu wissen ist also, dass der Haarausfall nicht für immer anhält- und dass ihr wieder normale Haare haben werdet, wenn ihr die Bulimie los seid. Ihr müsst an dieser Stelle ein wenig Geduld haben, und euer Körper wird mit der richtigen Grundsubstanz (Nährstoffe etc.) in der richtigen Umgebung (wenig Stress, gute Psyche) wieder in der Lage sein, die Haare normal wachsen zu lassen. Haarausfall ist also trotz allem kein Grund zur Panik.

Samstag, 10. Mai 2014

10 Wege, wie man die Bulimie sicher NICHT los wird

1. Bloß kein Geld für Essen ausgeben!
Wusstest du schon, dass die allerbesten Lebensmittel für Bulimiker aus kurzkettigen Kohlenhydraten bestehen? Das gibt erst den richtigen "Kick" und außerdem sind diese Sachen auch noch so unglaublich günstig. Das Beste, was du dir also zuführen kannst, sind die Sachen, die du eh schon so gerne magst: Kekse, Brot, Kuchen. Versuch also bloß nicht, etwas anderes in deinen Speiseplan zu integrieren, Obst oder Gemüse sind absolut tabu. Also: wenn du schon für die FAs so viel Geld ausgibst, dann musst du dich zusammenreißen und möglichst billig einkaufen, wenn du keinen FA planst.

2. Beschwere dich bei jeder Gelegenheit über dein Gewicht und deinen unförmigen Körper
Schließlich gibt es kaum Frauen, die mit ihrem Gewicht zufrieden sind. Also weißt du, was zu tun ist. Schließ dich einfach den jammernden Frauen an, dann bist du wenigstens Eine von ihnen. Du willst doch schließlich kein Außenseiter sein, oder?

3. Vermeide jegliche Bewegung mit allen Mitteln!
Bewegung könnte dazu beitragen, dass du dich wohl in deinem Körper fühlst. Also mach alles, aber bloß keinen Sport! Damit würdest du sogar riskieren, dass deine Stimmung besser wird oder du gar klarer denken kannst und so vielleicht auf eine Idee kommst, wie du die Bulimie los wirst. Vermeide Sport, auch wenn du davor den ganzen Tag vor dem Fernseher liegst, denn so musst du auch nie die schreckliche Erfahrung machen, wie entspannt man sich nach einer ausgiebigen Runde um den Stadtpark fühlt. Sport ist schließlich Mord!

4. Rücke dich selbst in ein schlechtes Licht
Sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt, lass dich über deine Schlechtigkeit und Unzulänglichkeit aus. Falls andere tatsächlich etwas von dir halten, versuch so schnell wie möglich, diesen Eindruck wieder zu zerstören! Es könnte bedeuten, dass du Verantwortung übernehmen musst oder gar, dass andere Respekt vor dir haben, und das willst du doch nicht. So bleibst du für immer das kleine dumme Mädchen.

5. Mach dich abhängig
Ein abhängiges Leben ist tausend Mal besser als ein selbstbestimmtes. So muss man nicht nachdenken, sondern kann andere für sich entscheiden lassen. Man bekommt den Tag ja immer irgendwie hinter sich. Besser, man muss dabei nicht auch noch an irgend etwas denken. Ganz kritisch sind Gedanken an die eigene Zukunft. Bloß nicht. Lass es, dann bleibt einfach alles immer so, wie es schon immer war und wie du es kennst. Lass einfach alles auf dich zukommen. Irgendwas passiert schließlich immer, und im Zweifelsfall ist es besser, andere entscheiden zu lassen- die wissen sowieso besser, was gut für dich ist.

6. Lass alles so, wie es schon immer war. 
Du willst etwas verändern? Dann stehst du schon mit einem Fuß im Grab, denn das ist wirklich gefährlich. Besser ist es, wenn du die Sicherheit darüber hast, jeden Tag dasselbe zu erleben. Vermeide es, dich Neuem auszusetzen, denn dadurch könnte sich etwas verändern: du könntest dich verändern, und wenn es ganz schlimm kommt, verbessert sich dadurch sogar noch irgendetwas.

7. Hab keine eigene Meinung
Das wäre so ziemlich das Schlimmste, was dir passieren könnte: eine eigene Meinung zu haben und die gar noch zu äußern. Schließlich willst du doch nicht, dass andere dich ernstnehmen.

8. Setze dich jeden Tag gefährlichen Lebensmitteln aus
Es ist extrem wichtig, dass du ständig deine Grenzen austestet und dich der Gefahr aussetzt. Sonst lernst du doch nie, mit den Verlockungen umzugehen. Kaufe also immer die Vorratspackung deiner Lieblingsschokoriegel, niemals nur einen auf einmal. Das wäre doch was für Weicheier. So kannst du  deine Willenskraft jeden Tag auf´s Neue unter Beweis stellen.

9. Lebe frei nach dem Motto: Einmal Bulimiker, immer Bulimiker
Sich zu verändern ist einfach nur anstrengend, und du weißt sowieso nicht sicher, was dich erwartet, wenn du die Bulimie überwindest. Nimm also eine möglichst pessimistische Sicht auf die Dinge ein und freunde dich am besten jetzt schon damit an, dass du deine Bulimie niemals wieder loswerden wirst. So kannst du auch nicht enttäuscht werden.  

10. Es ist normal, zuckerabhängig zu sein
Wie oft isst ein Gesunder Zucker am Tag? Zucker kann also gar nicht abhängig machen. Schließlich essen doch die meisten Leute ständig Zucker- also ist es normal, oder?

Samstag, 3. Mai 2014

Erhöhtes Cortisol bei Bulimie: Bulimiker im Dauerstress

Bei vielen Bulimikern wird im Rahmen der Blutuntersuchungen ein erhöhter Cortisolspiegel nachgewiesen. Dies rührt daher, dass Bulimiker auf Stress schlecht reagieren: sie bauen das Stresshormon Cortisol, das in solchen Situationen ausgeschüttet wird, langsamer und schlechter ab als gesunde Menschen. Welche Folgen hat ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel? Nun, eigentlich ist Cortisol ein sehr wichtiges und nützliches Hormon: im Ernstfall, wie früher beim Angriff eines wilden Tieres, hat es den Körper schnell in Fluchtstimmung gebracht. Es versetzt das Gehirn in eine Art Notfallmodus, das Blut schießt aus dem Kopf in die Muskeln, so dass man schnell wegrennen kann. Man bekommt einen Scheuklappenblick, so dass man sich auf das Wesentliche, das Wegrennen oder den Kampf, konzentrieren kann und sich nicht um Nebensächlichkeiten wie den vorbeifliegenden Vogel kümmern muss. Im Dauerzustand kann die erhöhte Cortisolausschüttung allerdings zu ernsthaften körperlichen Schädigungen führen, dazu zählen ein Verlust an Knochen- und Muskelmasse, Schädigungen des Bindegewebes, Förderung degenerativer Erkrankungen in allen Geweben und Organen, hoher Blutzuckerwerte und Bluthochdruck, Wassereinlagerung, Förderung von Insulinresistenz, gehemmte Bildung der Geschlechtshormone (dadurch verringerte Fortpflanzungsfähigkeit und Abnahme der Libido) und schlechtere Wundheilung. Auf der kognitiven Ebene kann es zu Schwierigkeiten beim Umgang mit komplexen Problemen führen- was beispielsweise auch das Phänomen des Blackouts erklärt, wenn bei Prüfungsangst der Lerninhalt plötzlich nicht mehr abgerufen werden kann.

Wie beinflusst Bulimie den Cortisolspiegel?
Bulimiker weisen überdurchschnittlich oft einen erhöhten Cortisolspiegel auf. Dies liegt an der o.g. schlechteren Stressverarbeitung, aber auch am Essverhalten: werden kohlenhydratreiche Lebensmittel verzehrt und nicht erbrochen, setzt nach kurzer Zeit ein starker Blutzuckeranstieg und dann ein Blutzuckerabfall ein, woraufhin Cortisol freigesetzt wird.
Werden die kohlenhydratreichen Lebensmittel verzehrt und dann wieder erbrochen, wird dennoch Insulin freigesetzt, um den Zucker aus der Nahrung zu verarbeiten. Bei Zuständen der Unterzuckerung- die auch nach einer zuckerreichen Mahlzeit nach dem Abfall des Blutzuckerspiegels auftreten kann- schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus.
Vor allen Dingen jedoch ist der erhöhte Cortisolspiegel ein Henne-Ei-Problem, denn der erhöhte Cortisolspiegel führt zu einer dauerhaft größeren Aufmerksamkeit / Schreckhaftigkeit, was zu noch höherem Cortisol führt, da ständig von äußerliche Reize aufgenommen werden, die gesunde Menschen automatisch ausblenden.

Was ist der Ausweg?
Du wirst es schon ahnen: die einzige Möglichkeit, diesem Teufelskreis (beziehungsweise Teil des Teufelskreises, der die Bulimie aufrechterhält) zu entkommen, ist, keine Ess- und Brechanfälle mehr zu haben. Dann kann der Körper wieder ins Gleichgewicht kommen und seine Cortisolproduktion runter fahren. Helfen kann natürlich auch das Anwenden von Entspannungstechniken, Yoga, etc. Aber das sollte nur eine Prothese sein; ohne endgültiges Loslassen der Bulimie wird sich, so meine Meinung, nicht sehr viel verbessern lassen.

Wenn ihr weitere Tipps habt, wie man einen hohen Cortisolspiegel normalisieren kann, schreibt mir gerne in den Kommentaren!

Literatur: 
K. R. Bruce et. al.: Cortisol responses on the dexamethasone suppression test among women with Bulimia-spectrum eating disorders: Associations with clinical symptoms. In: Progress in Neuro-Psychopharmacology & Biological Psychiatry 38, S. 241-261. 2012.

Samstag, 26. April 2014

Wie schaffe ich es, "ich selbst" zu werden?

Heute gibt es mal wieder einen Artikel, den man unter einen der Begriffe Persönlichkeit oder Authentizität fassen könnte. Und zwar ist die große Frage: Wie werde ich ich selbst?

Man könnte alternativ fragen: "Wie werde ich authentisch?". Und dazu will ich zunächst beschreiben, was ich unter "authentischem Verhalten" verstehe. Ich habe vor ein paar Jahren damit angefangen, mich zu fragen, wie ich gerne wäre. Damals hab ich eine Vielzahl an Büchern zum Thema Persönlichkeitsentwicklung gelesen, darunter auch philosophische Ansätze. Ich habe ehrlich gesagt eine Weile gebraucht, bis ich eindeutig in Worte fassen konnte, wie ich denn gerne wäre. Und schnell war auch klar, dass ich gern authentisch sein würde- und dass ich dazu wissen müsste, was das denn genau ist. Also habe ich versucht, mir Vorbilder zu suchen, die meiner Meinung diese Eigenschaft verkörpern. Und entweder habe ich das heute wirklich schon wieder vergessen, oder ich wurde damals wirklich nicht fündig. Oje :D ... Der stoische Philosoph Seneca jedoch hatte es mir schon angetan, er schien sich nicht stark von außen beeinflussen zu lassen, war meiner Meinung nach also recht souverän. Seitdem ist mir auch bewusst, was mir bei anderen Leuten besonders negativ auffällt: wenn sie versuchen, jemand zu sein, der sie nicht sind. Leider merke ich sowas ziemlich schnell... Es scheint mir, als gäbe es viele solcher Leute. Vielleicht ist das aber auch nur mein Eindruck?!

Aber wieder zurück zur eigentlichen Frage: Wie schafft man es, authentisch und "echt" zu sein? Ich glaube, die Antwort darauf kann nur lauten: indem man weiß, wer man ist. Und dieses Wissen kommt nicht vom Himmel gefallen, sondern ich denke, wenn man es noch nicht hat, dann kann man es sich erarbeiten.

Ich habe es damals so gemacht: ich habe mir wirklich eine Liste gemacht mit Dingen, die ich gut kann, und vor allem mit Dingen, die ich nicht kann und wozu ich auch stehe. Und dann noch eine zweite Liste mit Dingen und Eigenschaften, die ich mir an mir selbst wünsche und mit Eigenschaften und Dingen, die ich nicht mag. Also eine Kann-Liste und eine Will-Liste. Diese Listen lagen dann ein paar Tage rum, das geb ich zu. Und dann sind sie in den Müll gewandert. Sie waren nur ein Werkzeug, damit ich mir bewusst Gedanken machen konnte, was ich kann, will, und was ich vor allem gar nicht kann und gar nicht will. Die Punkte zu "Kann-ich-nicht" und "Will-ich-nicht" sind mindestens genauso wichtig wie die ersten. Vor allem: wenn man für die beiden zustimmenden Punkte auf Anhieb nichts findet, fängt man mit den beiden ablehnenden Punkten an, denn da gibts bestimmt was. Man kann es sich außerdem noch einfacher machen, indem man für die "Kann ich" und "Will ich" - Punkte mindestens jeweils 10 Punkte sucht. Das klingt erstmal nach sehr viel, ist es aber nicht, und man findet auf jeden Fall etwas. Und ich kann garantieren, dass man mindestens 10 findet, wenn man lange genug sucht!

Samstag, 19. April 2014

Wie funktioniert Verhaltenstherapie eigentlich?

Mit Verhaltenstherapie ist meist die kognitive Verhaltenstherapie gemeint. Sie ist die am besten erforschte unter den gängigen psychologischen Therapieformen. Mit "kognitiv" ist die bewusste und unbewusste Wahrnehmung gemeint, der zu Behandelnde lernt also im Grunde die bewusste Steuerung seines Verhaltens und welche unbewussten Komponenten diesem Verhalten zugrunde liegen.

Vertreter dieser Methode gehen davon aus, dass Menschen im Lauf ihres Lebens persönliche Erfahrungen machen und sich daraufhin Denk- und Verhaltensmuster aneignen. Diese nicht angeborenen, sondern erlernten Strukturen können bei Belastungen zu Krankheitsbildern werden. Weil die Strukturen erlernt und nicht angeboren sind, können sie auch wieder ver-lernt werden.
In der Verhaltenstherapie versucht man, diese Muster zu erkennen und dem Betroffenen aufzuzeigen. Gemeinsam mit dem Betroffenen werden dann neue, gesunde Verhaltensmuster erlernt.
Um es wieder auf das von mir so geliebte Bild der "Spuren" im Gehirn zu übertragen, bedeutet dies nichts weiter, als neue Spuren im Gehirn anzulegen, die dann statt der älteren befahren werden.

Ein Denkmuster könnte beispielsweise sein: "Das wird eh nichts". Im Gespräch mit dem Betroffenen kann der Therapeut dieses Muster erkennen. Der Betroffene lernt anschließend, dass das Muster destruktiv wirkt, und dass er es durch positivere Ansätze ersetzen kann. Ein alternativer Gedanke zu "Das wird eh nichts" könnte sein: "Ich versuche es- wenn es nicht klappt, habe ich etwas gelernt." Natürlich- auch hier funktioniert das nicht so simpel, und es müssten Umwege über die Arbeit am Selbstwert des Betroffenen erfolgen, aber ganz grob sehen die Einzelschritte dennoch so aus.

Die kognitive Verhaltenstherapie geht davon aus, dass die Auslöser des zu behandelnden Verhaltens auf 3 Komponenten treffen, die im Endeffekt das Störungsbild auslösen (z.B. die Bulimie): eine Rolle spielen hier kognitive Prozesse wie automatisch ablaufende Gedanken oder Denkmuster, aber auch Verhalten und Kompetenzen wie fehlende psychische Ressourcen, Einflüsse durch Familie und Partner, und Aktivitäten, die verstärkend wirken, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit oder eine fehlende Tagesstruktur.

Aus: Psychiatrie LMU München

Samstag, 12. April 2014

2 einfache Fragen, um zu überprüfen, ob du wirklich hungrig bist

Der vorliegende Artikel beschreibt zwei einfache Fragen, mit denen ihr feststellen könnt, ob ihr wirklich hungrig seid. Es gibt aber sicherlich mehr Aspekte, die da mit hinein spielen. Schreibt mir doch einfach in den Kommentaren, wenn euch noch mehr einfallen!

1) Wann wurde zuletzt etwas gegessen?
Wenn die letzte Mahlzeit weniger als 3 Stunden zurückliegt, kannst du keinen körperlichen Hunger haben- es sei denn, du betrachtest eine Tüte Gummibärchen, die deinen Blutzuckerspiegel in eine Achterbahn verwandelt, als Mahlzeit. Wenn deine letzte Mahlzeit ausgewogen war, solltest du 4 Stunden überbrücken können, ohne echten Hunger zu bekommen. Ich selbst musste jedoch leider die Erfahrung machen, dass mein Blutzuckerspiegel durch die Bulimie total durcheinander gekommen war. Das äußerte sich dann in der Form, dass ich sehr schnell unterzuckerte. Dann wurde ich zittrig und bekam kalten Schweiß. Zum Glück bekam ich das allerdings relativ schnell wieder in den Griff, so dass ich heute kein Problem mehr mit Unterzucker habe.

2) Welche Gefühle zeigen sich gerade?
Das ist hoffentlich mittlerweile allgemein bekannt- Bulimiker verwechseln Hunger gern mit unerwünschten Gefühlen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man einfach "freudig aufgewühlt" ist, aber diese Aufgewühltheit nicht richtig verarbeiten kann und sich dann, anstatt sich damit näher zu beschäftigen und nochmal drüber nachzudenken, lieber eine Stulle schmiert. Eine bewährte Methode, um das sein zu lassen, können die von mir vielbeschworenen Rituale sein. Also, statt gleich nach dem Nachhauskommen den Kühlschrank aufzureißen lieber in Ruhe hinsetzen, 15 Minuten irgendwas machen um runterzukommen, und dann in sich reinzuhören: Ist das wirklich Hunger oder was ist mit mir los? Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, aber es gibt tatsächlich ein Leben nach dem Gefühle-Wegessen. Also dranbleiben und üben, üben, üben! Das Gefühle-Erkennen ist wie eine neue Straße im Gehirn, die mal wieder mehr befahren werden muss, um richtig zu funktionieren. Irgendwann klappt es so gut, dass die Straße zu einer Autobahn wird. Dann muss man nicht mehr alle 10 Meter an jedem Feldweg anhalten, sondern kann ganz gemächlich und entspannt weiter Strecken zurücklegen.

Samstag, 5. April 2014

Wie kann man sein Selbstwertgefühl stärken?

Viele Bulimiebetroffene, wenn nicht sogar die meisten, strotzen nicht gerade vor Selbstwert. Manchmal liegt das in der Kindheit begründet, weil ihnen immer wieder eingeredet wurde, sie könnten nichts und seien nichts wert. Manchmal kommt das Defizit auch erst mit der Bulimie (so war es bei mir). Doch wo auch immer das Gefühl begründet liegt- sie glauben, selbst nicht besonders viel wert zu sein und kommunizieren das in (fast) jeder Lebenssituation. Doch worin genau unterscheiden sich Menschen mit zuwenig von Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl?

Das möchte ich mit einer kleinen Geschichte verdeutlichen. Anna und Lisa haben vor kurzem denselben Job angetreten. Sie arbeiten an einer Supermarktkasse. Es kommt häufig vor, dass Kunden pampig sind, den Gruß der Kassiererin nicht erwidern und wortlos ihre Ware einpacken und aus dem Supermarkt rennen, ohne jedes Danke oder Bitte. Anna geht so ein Verhalten immer ziemlich nahe. Sie glaubt, dass solche Kunden sie nicht sympathisch finden, sie sogar bemitleiden oder auf sie herabschauen und deshalb nicht grüßen. Schon nach dem ersten Tag hat sie vor dem Einschlafen Bauchschmerzen, sie hat Angst vor dem nächsten Tag. Am nächsten Tag wieder dasselbe Spiel: manche Kunden sind unfreundlich. Ich bin für diesen Job einfach zu hässlich, sagt sie sich, mit einer so abstoßenden Person wie mir will eben niemand etwas zu tun haben. Nach 3 Tagen Quälerei kündigt sie den neuen Job. Die Erfahrung, die sie gemacht hat, deckt sich mit ihrem Selbstbild: sie findet sich abstoßend. Lisa dagegen ist gespannt auf die neue Erfahrung, die sie in dem neuen Job machen wird. Sie will etwas über sich und andere Menschen lernen. Sie will natürlich auch einfach einen guten Job machen und ist freundlich wie Anna. Aber sie lässt sich nicht alles bieten. Manchmal reißen Jugendliche blöde Sprüche, die sie geübt kontert. Wenn jemand unfreundlich ist und nicht grüßt, hat derjenige ihrer Meinung nach einen schlechten Tag oder hat es einfach nie anders gelernt. Da kann sie dann auch nichts machen, es gibt genug andere Kunden, die sehr freundlich sind, aber darauf verlässt sie sich nicht. Sie macht ihre eigene Laune nicht davon abhängig, wie ihre Kunden gerade drauf sind. Wenn ein Kunde besonders freundlich ist, freut sie sich natürlich trotzdem. Manchmal schafft sie es auch, einem traurig dreinblickendem Kunden ein kleines Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Nach 3 Tagen hat sie jede Menge gelernt und freut sich, dass sie soviel Kontakt zu Menschen hat.

Was ist der Unterschied zwischen Anna und Lisa und warum gehen beide mit derselben Situation völlig unterschiedlich um? Die Antwort heißt: sie haben ein unterschiedliches Selbstwertgefühl.

Wie kann man sein Selbstwertgefühl stärken?

1. Eigene Stärken aufzählen (was kann ich gut, was habe ich gut gemacht?)
Am Besten nimmst du dir jetzt gleich ein großes Blatt Papier und zählst so viele Punkte auf, die du gut kannst, bis das Blatt voll ist. Zähle mindestens 20 Punkte auf. Das schaffst du!

2. Dankbarkeit zeigen (jeden Abend vor dem Einschlafen aufzählen, was gut gelaufen ist)
Sich auch über die kleinen Dinge zu freuen, und sich vor allem über diese zu freuen, kann schon einen großen Teil der eigenen Zufriedenheit ausmachen. Ein kleines Beispiel: als ich gestern einkaufen war, und es war Samstag Vormittag, reichten die Schlangen an den Supermarktkassen bis nach ganz hinten zu den Kühltruhen (jeder Lidl sieht doch irgendwie gleich aus). Natürlich blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit meinem mini-Einkauf (ein Stück Butter und eine Gurke) ganz hinten anzustellen. Aber ich hoffte insgeheim, dass doch eine neue Kasse geöffnet werden würde ich dann ganz vorne landen würde. Und, was passierte? Genau, es öffnete eine neue Kasse und ich war die Erste. Darüber habe ich mich gefreut, anstatt griesgrämig zu jammern, dass schon wieder so viel los ist. Noch am Ende des Tages erinnerte das Erlebnis mich daran, wieviel Glück ich doch so oft habe.

3. Herausforderungen suchen
Anglizismen sind heute aus der deutschen Sprache nicht mehr wegzudenken- so ist die Challenge fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes geworden. Wie schon so oft beschrieben, wird die Angst kleiner, wenn man sich ihr stellt. Behandelt die Überwindung der Angst als Challenge, stellt sie euch als Aufgabe. Wenn ihr Angst davor habt, jemandem um Hilfe zu bitten, dann fangt ganz klein an. Fragt zum Beispiel einen Passanten nach dem Weg - "wer nicht fragt, bleibt dumm"! Man lernt nur dazu, wenn man Fehler macht, daraus lernt und wenn man Andere um Hilfe bittet. Es ist völlig unmöglich, dass jeder alles gut kann, darum hat jeder seine eigenen kleinen Spezialgebiete, in denen er besonders gut ist. Oft fühlen sich Andere auch geschmeichelt, wenn man sie um Hilfe bittet oder ihren Rat erfragt, denn damit erkennt man an, dass sie etwas besonders gut können oder wissen.
Eine Herausforderung hat aber natürlich nicht nur damit zu tun. Eine Herausförderung könnte zum Beispiel auch sein, mal etwas anders zu machen als sonst. Oder mit einer Person zu sprechen, mit der man täglich zu tun hat, die man aber nicht wirklich gut kennt.

4. Zu seinen Fehlern stehen, nicht perfekt sein wollen (worum wirst du beneidet)
Kleine Macken machen einen Menschen erst liebenswert. Und das gilt besonders dann, wenn dieser Mensch von diesen Macken weiß und dazu steht, sie sogar zu seinem Markenzeichen macht. Man könne unterscheiden zwischen äußerlichen und innerlichen Macken. Im Barock gab es beispielsweise die Verherrlichung einer äußerlichen Besonderheit, dem Schönheitsfleck, der ein Gesicht erst schön zu machen schien. Cindy Crawford war eines der ersten Topmodels überhaupt, und das trotz ihres markanten Muttermals an ihrer Oberlippe, und auch Marilyn Monroe hatte einen Leberfleck auf der Wange. Vanessa Paradis´ strahlendes Lächeln schmückt eine gigantische Zahnlücke. Die Besonderheit an Angela Merkels Sprache ist u.a. ihr leichtes Lispeln, und Marcel Reich-Ranickis Lispeln ist beinahe sein Markenzeichen. Aber auch innerliche Imperfektionen sind kein Grund zur Verzweiflung. Wer würde von einem Tennisspieler erwarten, dass er beim Mahlen nach Zahlen besonders ausdauern ist?

Neben diesen gibt es gibt noch weitere Möglichkeiten, um seinen Selbstwert aufzubessern. Ihr findet sie in den kommenden Artikeln der nächsten Wochen!

Montag, 31. März 2014

Einfach so


Life isn't a race, so take it slower,
hear the music before your song is over.
- David L. Weatherford

Samstag, 29. März 2014

Gibt es das Set Point-Gewicht wirklich?

Ich habe mich aufgrund einer Leserfrage noch einmal mit der Set-Point-Theorie beschäftigt und bin letztlich zum Schluss gekommen, dass man sie nicht so anwenden kann wie bisher bekannt. Die Forschung hat die Idee des Set Points nämlich noch nicht abschließend beantworten können.

Das Körpergewicht ist nicht das 1:1-Resultat aus den aufgenommenen Kalorien; vielmehr spielen auch viele psychische Faktoren eine Rolle, die wiederum andere Regelsysteme betreffen. Auch Stress kann beispielsweise das Körpergewicht beeinflussen- manche nehmen unter Stress zu, andere ab. Wenn also jemand, der unter Stress zunimmt, Schokolade isst und dadurch den Stress reduziert, verhindert er dann die Gewichtszunahme? Diese These hat zumindest Udo Pollmer mal aufgestellt und für mich klingt sie auch recht plausibel.

Jeder Mensch reagiert auf die gleiche Kalorienzufuhr völlig unterschiedlich. Man hat das 1998 herausgefunden, als man an der Mayo Clinic bei 16 Probanden festgestellt hat, dass die gleiche Kalorienmengen bei einigen Probanden zu einer 10-fach höheren Gewichtszunahme geführt hat als bei den anderen. Diejenigen, die weniger Gewicht zunahmen, "verheizten" die überschüssigen Kalorien einfach (durch die sog. NEAT = nonexercise activity thermogenesis).

Die Set-Point-Theorie als solche halte ich mittlerweile für fragwürdig. Zumal dieser Set-Point genetisch festgelegt sein müsste, der genetische Einfluss auf das Gewicht aber eine geringere Rolle hat als bisher angenommen.

Zu dieser NEAT-Theorie fällt mir noch ein, dass mir, seit ich normal esse, bei (zu) großen Portionen auch immer heiß wird. Das wäre ein Zeichen dafür, dass ich das NEAT aktiviert habe. Das könnte heißen, dass dieses NEAT beim selben Menschen mal ein- und mal ausgeschaltet sein kann, vielleicht je nachdem, wieviel "Angst" der Körper hat, nicht ausreichend Kalorien zu bekommen.

Viele Wissenschaftler gehen mittlerweile von der "Set Point" zur "Setting Point" oder auch "Settling Zone"- Theorie über [1]. Während der Set Point besagt, dass man ein genetisch festgelegtes Gewicht hat, geht die Settling Zone-Theorie davon aus, dass sich das Gewicht an die kalorische "Umgebung" anpasst, also daran, wieviele Kalorien zugeführt werden.

Verständlich wird es dann, wenn man 2 Menschen vergleicht, die jeweils die selbe Kalorienmenge aufnehmen, gleich groß sind und sich gleich viel bewegen. Während der erste Mensch, der bei einer relativ konstanten 3500 kcal- Ernährung z.B. 120kg wiegt, in ein Dritte-Welt-Land gesteckt wird und dort nur noch rel. konstant 1000 kcal bekommt und sein Gewicht dann auf 70kg einpendelt, könnte man das mit einer anderen Person vergleichen, der bei den 3500kcal vielleicht nur 80kg wiegt und bei der mageren Kost dann 55kg.

Ich glaube daher nicht, dass man sein Gewicht dauerhaft erhöht. Wenn man ein bisschen Sport für sich entdeckt und von den FAs wegkommt, sinkt das Gewicht meist automatisch. Jedenfalls habe ich schon mit vielen ehemaligen Bulimikern gesprochen, bei denen es genau so war. Auch ich habe langfristig abgenommen, als ich von der Bulimie losgekommen bin -und ich hatte schon Normalgewicht. 

Ohne Bulimie nehme ich gar nicht mehr zu. Ich konnte mir das früher nie vorstellen, wie ich es jemals schaffen würde, ein normales Gewicht zu halten und hab gedacht, ich müsste mich ständig zügeln und kontrollieren. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Irgendwann bekommt man wirklich ein Gefühl dafür, wieviel der Körper braucht. Manchmal esse ich sogar mehr als ich vielleicht kalorientechnisch "müsste", weil ich das Gefühl habe, mein Körper bräuchte irgendwie mehr und weil ich auch nicht abnehmen will. Ich nehme davon aber nicht zu, wie gesagt, ich denke, man entwickelt irgendwann das richtige Gespür für die richtige Menge. 


Samstag, 22. März 2014

9 Random Facts, die ich seit der Überwindung der Bulimie gelernt habe

Das Leben ist zu kurz, um deine Zeit mit Leuten zu verbringen, die dir nicht gut tun.
Es gibt genügend Leute da draußen, die anscheinend denken, sie könnten andere Leute ausnutzen, erniedrigen oder für irgendwelche anderen Zwecke missbrauchen. Das Gute daran ist, dass du nicht diejenige sein musst, die sich ausnutzen lässt. Wenn du bei einer Person kein gutes Gefühl hast, dann nimm Abstand von ihr. Mir ist so etwas immer wieder passiert, auch auf rein freundschaftlicher Basis: Jemand mag dich anscheinend, und ihr verbringt Zeit zusammen. Aber irgendwann schleicht sich das Gefühl ein, dass diese Person Zeit mit dir verbringt, um irgendetwas aus diesem Kontakt für sich selbst herausschlagen zu wollen. Das Wichtige ist, dass du dir in solch einem Moment selbst vertrauen musst. Trau deinem Gefühl, und handle danach. Wenn du kein gutes Gefühl bei einer Person hast, dann lass sie gehen und mach dir keine Vorwürfe. Zu lange habe ich gedacht, ich könnte mich jetzt nicht so und so verhalten, weil ich "konsequent" sein wollte. Aber im Nachhinein hat sich immer gezeigt, dass ich richtig gelegen habe, und dass ich es bei ähnlichen Situationen, in denen ich auch ein schlechtes Gefühl hatte, es genauso hätte machen sollen.

Die meisten Leute achten nicht auf dich, sondern nur auf sich
Soziale Unsicherheit kann das Leben zur Hölle machen. Ich habe das selbst erlebt, und wenn ich mir damals einige Dinge hätte erklären können, hätte ich mir wahrscheinlich einige Jahre schöner machen können. Die wichtigste Erkenntnis ist eigentlich diese hier: die meisten Leute sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie deine Angst auch nur im Ansatz wirklich wahrnehmen würden. Und wenn, würde wahrscheinlich nichts von dem passieren, was man sich selbst in solchen Situationen ausmalt. Stell dir vor, du gehst zum Bäcker und willst ein paar Brötchen kaufen. Du betrittst die Bäckerei und schon die Türglocke ist dir unangenehm- du willst schließlich nicht mit einem solch lauten Geräusch angekündigt werden, so dass alle anderen Kunden sich gleich nach dir umdrehen. Ok, aber da stehst du also, und schon schießt der nächste Gedanke in deinen Kopf- "Soll ich jetzt grüßen oder nicht? Alle schauen mich schon so komisch an." Und du schaust auf die Auslage in die Theke. "Bloß keinen Kuchen bestellen, das wäre schon wieder total auffällig. Dann wüsste jeder, dass ich ein Problem mit dem Essen habe". Also beschließt du, nur zwei Brötchen zu bestellen, aber welche? Du kannst nicht genau sehen, was am anderen Ende der Theke liegt, weil dort ein anderer Kunde steht. Und schon erklingt die Stimme der Verkäuferin: "Was darf´s denn bitte sein?" Und du stammelst: "Zwei Sonnenblumenbrötchen, bitte" Aber die sind anscheinend ausverkauft, und du weißt aber eben nicht, was es sonst noch gibt, und daher sagst du wie in Notwehr: "Dann nehme ich bitte zwei Brezeln" Obwohl du die gar nicht wolltest, aber was hättest du denn sonst machen sollen? Ich bin sehr, sehr froh, dass ich diese störenden Gedanken im Kopf losgeworden bin, denn ja- die meisten Leuten achten gar nicht auf sich, sondern sind mit sich selbst beschäftigt.

Sich ständig über alles zu beschweren ist ätzend
Nachdem ich selbst einmal eine depressive Phase zu überwinden hatte (nach der Bulimie), habe ich feststellen müssen, dass die nervigsten Leute diejenigen sind, die ständig über alles und jeden beschweren. Die sich beschweren, aber nichts tun, um etwas an der Situation zu ändern. Diese Einstellung mancher Leute ging mir irgendwann derart auf den Senkel, dass ich beschlossen habe, nie wieder einer dieser Personen zu sein. Und jedes Mal, wenn ich mich heute beim Lamentieren erwische, ist es mir peinlich und es kommt mir vor wie ein Verrat an mir selbst.

Man darf Dinge auch mal richtig vergeigen und es kann trotzdem gut für irgendetwas sein
Früher war es für mich ein Desaster, etwas nicht richtig gemacht zu haben und dafür auch noch geradestehen zu müssen. Wenn man dazu noch soziale Ängste hat und denkt, dass man von allen Seiten beobachtet und vor allem für seine vermeintliche Dummheit / Unbeholfenheit oder was auch immer verurteilt zu werden, dann kann es leicht passieren, dass man lieber gar nichts macht, anstatt ein Risiko einzugehen. Mit der Zeit ist mir allerdings klargeworden, dass man nur dann etwas richtig machen kann, wenn man es oft genug falsch gemacht hat. Leider werden wir meist dazu erzogen, Dinge möglichst auf Anhieb richtig zu machen, weil alles andere angeblich peinlich ist. Wenn wir in der Schule viele Fehler haben, gibt es schlechte Noten. Wenn man aber an Menschen denkt, die etwas wirklich Großes erreicht haben, stellt man fest, dass sie das nur durch unglaubliche Ausdauer und Hartnäckigkeit geschafft haben. Man sagt beispielsweise Thomas Edison nach, er habe bis zu seinem finalen Durchbruch mit der Glühbirne 2000 Anläufe gebraucht. Er kommentierte das ganz lapidar mit dem berühmten Satz:
"Ein Misserfolg war es nicht. Denn wenigstens kennt man jetzt 2000 Arten, wie ein Kohlefaden nicht zum Leuchten gebracht werden kann."

Sei du selbst
Ja, sei du selbst, das klingt natürlich einfach. Wenn du nicht weißt, wer du bist, dann sollte es dein höchstes Ziel für die nächste Zeit sein, genau das herauszufinden. Das kann mit scheinbar ganz einfachen Fragen anfangen, die du dir stellst: Was oder wen mag ich überhaupt nicht, wen bewundere ich, und wofür, und was würde ich gern einmal tun? Du wirst mit der Zeit wahrscheinlich feststellen, dass du dann auch bei anderen besser ankommst (das geht aber nur dann, wenn du es nicht mehr darauf anlegst).

Such dir ein Ziel im Leben, das nicht nur dir selbst dient
Oft hört man ja Dinge wie: in 10 Jahren will ich ein großes Haus haben, dieses Auto fahren, einen netten Freund haben und einen tollen Job. Aber wem würde das außer dir selbst - und vielleicht noch deinem Freund- wirklich etwas nützen? Wohl niemandem. Ok, vielleicht sind deine Eltern stolz auf dich und der Autohändler, der dir das Auto verkauft hat, hat auch einen guten Deal gemacht, genauso wie der Bauunternehmer, der dir das Haus hingestellt hat. Aber stell dir doch mal vor, du würdest in 10 Jahren von einem Auto überfahren und wärst tot. Woran würden sich die Menschen, die dich gekannt haben, erinnern? An jemanden, der immer nett und freundlich war, der seinen Job gut gemacht hat? Was soll dein Vermächtnis sein? Was willst du der Nachwelt hinterlassen? Mal abgesehen davon, dass du wahrscheinlich niemandem als Bulimiker in Erinnerung bleiben willst- mal ganz ehrlich, was hast du getan, um irgendjemandem außer dir selbst zu helfen?

Niemand kann dich glücklich machen außer man sich selbst
Oft stellt man erst nach herben Enttäuschungen fest, dass man sich auf viele Menschen einfach nicht verlassen kann. Aber das ist noch nicht alleine der Grund, weshalb es so wichtig ist, sich wenigstens auf sich selbst verlassen zu können. Der wichtigere Grund ist, dass du am Ende immer alleine bist, egal wohin du gehst. Du nimmst dich überall hin mit. Und darum wirst du nicht immer überall Menschen haben, die verlässlich sind. Es gibt täglich Situationen, in denen es entscheidend ist, sich selbst etwas zuzutrauen und sich selbst genug zu sein. Das kann in der Warteschlange an der Supermarktkasse sein, im Zug, ganz egal wo. Es ist immer wichtig, dass du mit dir selbst klar kommst und dich selbst gut behandelst. Du bist immer deine primäre Bezugsperson. Klingt das komisch? Erst wenn

Erst wenn du dich selbst respektierst, werden die anderen Respekt vor dir haben.
Klar, es ist natürlich ein bisschen hart zu sagen, dass dich andere respektlos behandeln, wenn du dich selbst nicht respektierst. Aber leider habe ich genau diese Erfahrung gemacht. Wenn du dich selbst wie ein kleines naives Kind präsentierst, werden dich Andere auch wie ein kleines naives Kind behandeln. Wenn du immer unsicher bist und nicht weißt, was du willst, dann wirst du von außen immer Ratschläge bekommen und alle wollen dir zeigen, wie du es machen sollst- selbst wenn du das gar nicht willst. Das Problem ist, dass du irgendwann das Image des kleinen naiven Mädchens hast, das du so schnell nicht mehr los wirst.
Dabei kannst du das eigentlich ganz leicht beeinflussen. Wenn du dir einmal überlegst, wie du nach außen hin wirkst, was du sagst, wie deine Einstellung dir selbst gegenüber ist, und dir dessen bewusst wirst, dann hast du den ersten Schritt in Richtung Selbstachtung schon getan. Es ist unendlich wichtig, sich selbst zu achten und sich selbst gut zu behandeln. Andere Leute orientieren sich meist an deinem eigenen Selbstbild und glauben daran- egal, wie dein Selbstbild letztlich ist und wie du "wirklich" bist. Sie denken ganz einfach, es müsste schon einen guten Grund haben, dass du so oder so von dir denkst. Wenn du also viel von dir hältst, glauben sie es und denken, es hätte seine Berechtigung und werden dich auch entsprechend behandeln- auch wenn das teilweise sicherlich "gemein" ist und du es vielleicht anders verdient hättest. Die meisten Menschen sind einfach gestrickt und nehmen gern den leichtesten Weg- in dem Fall sehen sie, wie du dich verhältst und orientieren sich daran.

Du kannst andere Menschen nicht ändern, aber du kannst es ändern, wie du mit ihnen umgehst.
Viele Menschen kommen einfach nicht aus ihrem Trott raus. Es gibt immer diejenigen, die sich ständig über ihr scheinbar schweres Los beklagen, aber trotzdem nichts unternehmen, um ihre Lage zu verbessern. Und es gibt solche, deren Fehlverhalten dich unmittelbar betrifft- seien es deine Eltern oder dein Partner. Sie werden sich wahrscheinlich nicht ändern. Sie sind erwachsen und sind den Weg bis hierher auch so gegangen. Oftmals haben sie auch gar keinen Grund, sich zu ändern. Außer dass du es vielleicht willst. Aber so funktioniert es nicht, und darum bleibt dir nichts anderes übrig, als bei dir selbst anzufangen. Geh den ersten Schritt und mach du die Veränderung. Oft passieren dann auch Dinge, die du nie erwartet hättest, weil andere sehen, dass du dich verändert hast und entsprechend darauf reagieren.

Samstag, 15. März 2014

Wie kann ich mit negativen und undefinierbaren Gefühlen umgehen?

Es gibt im Zusammenhang mit unklaren Gefühls- und Gedanken-"Zuständen" eine recht einfache Methode, die im Grunde so funktioniert, als würde man sich mit einem guten Freund darüber unterhalten. Ein Gespräch mit einem guten Freund ist zwar durch nichts zu ersetzen, bei Bulimie ist es aber in teils sehr unvorhersehbaren Situationen notwendig, sich sofort mit seinen Gefühlen auseinandersetzen, um sich nicht in einen Essanfall abgleiten zu lassen. Darum will ich euch heute diese Methode zeigen, wie ihr selbst mit negativen und undefinierbaren Gefühlen umgehen könnt.

Zunächst ist es natürlich wichtig, das Knäuel im Kopf wahrzunehmen. Oft ist man ja schon so in der bulimischen Verhaltensweise eingefahren, dass recht schnell zur "Lösung" FA gegriffen wird, ohne einen Versuch zu unternehmen, den besagten Knäuel überhaupt als solchen anzuerkennen. Das wäre also der erste Schritt. Es hilft euch vielleicht auch, dieses Gedanken- und Gefühlschaos erstmal nicht zu bewerten, sondern einfach nur wahrzunehmen, dass es da ist, und dass das jetzt einfach so für sich steht.

Der nächste Schritt ist auch recht einfach- je öfter man diese Methode anwendet, desto selbstverständlicher wird sie irgendwann sein, und sie macht vielleicht sogar Spaß. Also: nehmt euer Tagebuch, ein Notizbuch zur Hand oder öffnet ein Textbearbeitungsprogramm am Computer. Dann schreibt ihr auf, wie ihr euch gerade fühlt. Zum Beispiel: "Gerade bin ich total genervt. Was ist eigentlich wirklich mit mir los?" Stellt euch dabei vor, dass ihr das einem guten Freund erzählt, der euch verständnisvoll zuhört und der immer einen guten Tipp bereithält. Stellt euch vor, dass er dann überlegt und euch fragt: "Woran könnte das denn liegen, dass du so genervt bist? Was hast du denn heute schon gemacht? Oder bist du genervt, weil du noch so viel erledigen musst?" Dann antwortest du in Gedanken darauf und schreibst es auf. Überlege dir, warum du dich so fühlst und mach eine Liste mit Dingen, die zu deinen Gefühlen führen. Anschließend kannst du dir vorstellen, wie dein Freund sagt: Ok, wenn das so ist, dann könntest du ja jetzt ... (XY) machen, dann geht es dir bestimmt wieder besser.

Das wars auch schon. Ganz einfach, oder? Ich mache das immer noch, meistens aber nur noch in Gedanken. Ich spiele es also von vorne bis hinten durch, und alleine die Vorstellung, dass ich mir selbst gut zurede und in der Lage bin, selbst eine Lösung zu finden (genau so, wie ich einer Freundin helfen kann, kann ich also auch mir selbst helfen), gibt mir ziemlich viel Mut und es stärkt auch das Selbstbewusstsein. Es hilft mir außerdem sehr, das Problem von außen zu betrachten, es sachlich zu beschreiben und Abstand zu gewinnen. Manches löst sich alleine dadurch fast wie von selbst, weil mir klar wird, dass ich zu sehr in meiner Sichtweise gefangen war, und dass viele Dinge, wenn man sie sachlich beschreibt, unproblematisch klingen und es dann oft auch sind. 

Samstag, 8. März 2014

3 Tipps, wie du mit dem Sport anfangen kannst.

Anmerkung vorab: Diese Tipps bringen besonders typischen Bulimikern mit Normalgewicht etwas, die das Ding mit dem Sport mal "durchziehen" und sich mehr bewegen wollen. Das soll keine Anregung dafür sein, es mit dem Sport zu übertreiben.


Setz dir kleine Ziele. 
Es ist besser, 500 Meter ganz langsam zu laufen und dranzubleiben, als sich gleich 2 Kilometer vorzunehmen und dann nach 100 Metern entnervt aufzugeben. Ich habe mir ehrlichgesagt gar nichts vorgenommen, als ich mit dem Laufen begonnen habe, sondern habe mir einfach gesagt, dass ich mal "schaue". So habe ich es geschafft, nach eineinhalb Jahren an einem Halbmarathon teilzunehmen, ohne dass das von Anfang an geplant gewesen wäre (wahrscheinlich habe ich nicht im Traum daran gedacht).

Belohne dich für das Erreichen dieser Ziele. 
Das Ziel könnte am Anfang sein, 3 Mal in der Woche Sport zu machen und es durchzuhalten. Wenn du das schaffst, könntest du dir beispielsweise nach 2 Wochen eine neue Laufmütze oder eine neue Laufhose kaufen.

Mach Sport immer zur gleichen Uhrzeit. 
Willenskraft ist eine begrenzte Größe (das wurde wissenschaftlich belegt). Es ist also schwierig, Sport zu machen, wenn man es den ganzen Tag vor sich herschiebt, denn am Abend hat man dann ganz einfach nicht mehr die Disziplin, um sich dazu zu "zwingen". Besser, du suchst dir eine Tageszeit (ich mache Sport immer morgens direkt nach dem Aufstehen) und hältst dich daran. Wenn du es schaffst, dich anzuziehen und aus dem Haus zu gehen, ist der schwierigste Teil schon geschafft. Außerdem kannst du beispielsweise schon am Abend deine Laufklamotten für den Morgen bereit legen, so dass du nach dem Aufstehen direkt mit dem Sport anfangen kannst. Der Vorteil der gleichen Uhrzeit liegt ganz einfach darin, dass du es irgendwann einfach automatisch machst und gar nicht mehr daran zu denken brauchst. 

Sonntag, 2. März 2014

Wie lassen sich Essanfälle wirklich dauerhaft verhindern?

Vor einiger Zeit, 2012, habe ich den Artikel "6 Wege, um Fressanfälle zu verhindern" geschrieben. Heute soll es darum gehen, wie ihr dauerhaft von FAs loskommen könnt, und sie nicht nur kurzfristig verdrängt. Die Vorgehensweise, die ich hier beschreibe, hat auch bei mir funktioniert- wenn auch über viele Umwege, weil ich diese Theorie bezogen auf die Bulimie damals nirgendwo nachlesen konnte, sondern sie mir aus vielen verschiedenen philosophischen Ansätzen, neurologischen Erkenntnissen, psychologischen Methoden etc. heraus erarbeitet habe.

Das Ganze basiert auf dem Gedanken, dass ein FA nicht viel mehr ist als eine schlechte Verhaltensweise, die sich irgendwann in der Vergangenheit- also dem Beginn eurer Bulimie- so bei euch eingefahren hat, und eben in sehr vielen Fällen nicht die Spitze eines Eisbergs ist, der aus einem Haufen emotionalem Ballast besteht. Es geht bei der Heilung also zunächst darum, sich dieses automatisierte "Fehlverhalten" abzugewöhnen. Man kann das auch mit anderen Süchten, beispielsweise dem Rauchen, vergleichen. Durch das Rauchen sind im Gehirn neue neurologische Strukturen entstanden, die man sich wie Autobahnen vorstellen kann. Man muss nun neue Routen bauen, indem man sich neue Verhaltensweisen angewöhnt. Wie lange das dauert, ist individuell verschieden, aber man kann mit einer Dauer zwischen ca. 3 Wochen und 8 Monaten rechnen. Dann sind die neuen Routen "befahrbar", die neuen Verhaltensweisen haben sich also tief genug ins Gehirn eingegraben, dass sie dauerhaft tragfähig sind und die alten Routen ablösen. In diesem Zusammenhang kannst du dir auch einmal die Studie des University College London ansehen, wo im Jahr 2009 96 Teilnehmer untersucht wurden, die ihr Verhalten ändern wollten. Dort ergaben sich die o.g. Zeiträume, in denen eine stabile Verhaltensänderung erreicht werden konnte.

Die Frage ist aber nun: Wie überbrücke ich diese schwierige "Neubauphase"?
Im Grunde liegt die Antwort auf der Hand, und vielleicht hast du selbst schon mal darüber nachgedacht: indem du deine Gedanken bewusst wahrnimmst. Das kann man üben, und nach einer Zeit geht das auch ziemlich leicht. Ich habe es geübt, indem ich wirklich alles gedanklich nachverfolgt habe. Sicherlich geholfen hat mir dabei auch, dass ich irgendwann (nachdem ich schon keine bulimischen Symptome mehr hatte) mal darauf geachtet habe, kein zusammenhangloses Zeug mehr zu reden. Das war nämlich zu gewissen Zeiten recht nervig und für Außenstehende anscheinend auch ziemlich verwirrend. Zusätzlich bin ich in Berührung mit der stoischen Philosophie gekommen und habe die Gelassenheit für mich entdeckt, und habe versucht, sie als konstanten Bewusstseinszustand für mich zu "etablieren". Das kann man nur schaffen, indem man wirklich jeden einzelnen Gedanken durchleuchtet, und da fallen negative Gedanken dann eben recht schnell auf. Was ich damit sagen will: wenn du einen FA bekommst, dann kündigt er sich vorher immer in Gedanken an. Das kann beispielsweise ein immer wiederkehrender Gedanke wie "ich will dringend ein Stück Kuchen" bis hin zu "heute darf ich auf gar keinen Fall einen FA haben" sein.

Der nächste Schritt nach dem bewussten Wahrnehmen des Gedankens, wie beispielsweise also dem "heute darf ich auf gar keinen Fall einen FA haben" wäre dann, diesen anders zu formulieren, und zwar ins Positive. Indem du immer daran denkst, was du NICHT willst, verstärkst du den Drang danach nämlich umso mehr. Du kennst sicherlich auch diese Werbung mit dem Überraschungsei und den Kindern, die versuchen müssen, das Ei nicht zu essen (Ferrero hat das natürlich nicht erfunden, sondern die Idee aus einer älteren Studie übernommen...). Was machen die Kinder? Sie denken die ganze Zeit nur an das Ei. Das Gleiche ist der Fall bei "Denk nicht an den weißen Elefanten". Wenn du es schaffen willst, keinen FA zu haben, dann denk nicht "Ich darf keinen FA haben", sondern z.B. "Ich esse heute das, was mein Körper braucht". Diese Vorgehensweise, Gedanken bewusst wahrzunehmen und zu hinterfragen, findet sich in vielen anderen Techniken wieder, u.a. bei NFP, The Work, etc. Im Grunde geht es tatsächlich immer um dieselbe Sache: Gedanken bewusst wahrnehmen (dazu gehört aber eben auch die Bereitschaft, denken zu wollen) und anschließend entsprechend zu handeln. Man findet hier auch wieder das alte Mantra "Wir sind, was wir denken....". Es ist unausweichlich- wenn man die Bulimie loswerden will, muss man anfangen zu denken.

Ich hoffe, das Beschriebene ist einigermaßen verständlich- und wie gesagt, sobald ich wieder etwas mehr Zeit habe, werde ich euch hoffentlich ein kompakteres und überschaubares Modell dazu nachliefern.

Der Vorteil dieser "Methode" ist, dass man sich nicht therapeutisch in tiefenpsychologische Rückblicke verstricken muss, man muss nicht in seiner Kindheit graben, in der "Hoffnung", dort irgendeinen Hinweis zu finden, und man muss sich auch nicht ständig fragen, was bei einem selbst alles sonst nicht stimmt. Nein, in den meisten Fällen sind Bulimiker völlig normal. Ich halte es (mittlerweile) für sehr gefährlich, Betroffenen immer das große Emotionsproblem aufdrücken zu wollen, das es in Wirklichkeit so möglicherweise gar nicht gibt. Irgendwann glaubt jeder, er sei verrückt, solange man es ihm nur lang genug eintrichtert. Ich hätte es mir damals sehr gewünscht, jemand hätte mir diese Sichtweise eröffnet, dann wäre mir auch nach der Bulimie so einiges erspart geblieben. Denn so war ich eine lange Zeit der Meinung, ich sei nicht "normal" und ich hätte noch nicht alles bearbeitet, was da noch im Argen liegt. Dieser Gedanke kann ganz schön irritieren, auch mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Wenn seelische Probleme auftreten, dann meiner Erfahrung nach eher aufgrund der Bulimie, und nicht als deren Auslöser.

9 Mythen über Bulimie - und was wirklich stimmt

Viele der hier aufgezählten Punkte habe ich heute das erste Mal überhaupt so formuliert. Oft muss ich mich bei solchen verallgemeinernden Dingen daran erinnern, wie es bei mir damals war. Ich habe immer versucht, mir die Bulimie als ungesunde Verhaltensweise vorzustellen, und neurologische Funktionsmuster gesucht, die das bulimische Verhalten erklären. Ich hoffe, all die verschiedenen Aspekte, in nicht allzu ferner Zukunft einmal in einer allgemeinverständlichen Grafik zusammenfassend darstellen zu können.
Vorerst also dieses kleine Sammelsurium, und ich hoffe, es hilft euch weiter.
  1.  "Süßigkeiten gehören zu einem normalen Essverhalten dazu!"
    • Um normal zu essen, MUSST du keinen ZUCKER und keine Süßigkeiten essen! Süßigkeiten sind zwar "normal" im Sinne von dem, was der durchschnittliche Mensch so isst, aber in der ersten Phase deiner Heilung solltest du darauf verzichten.
  2. "Disziplin hat mit der Heilung von Bulimie nichts zu tun!"
    • Die erste Phase besteht aus Disziplin. Du solltest dich an die Essensvorgaben halten, damit dein Gehirn neue Verhaltensweisen erlernen kann. Dies hat neurologische Gründe, die es dir später erleichtern, fast mühelos normal zu essen.
  3. "Du hast ein psychisches Problem, die Bulimie ist nur das Symptom."
    • In den meisten Fällen ist mit dir tatsächlich alles ok. Fakt ist, dass JEDER Mensch irgendwelche Probleme und Ungereimtheiten mit sich selbst oder seiner Vergangenheit hat. Aber nicht alle werden bulimisch. Ich selbst habe lange geglaubt, ich hätte ein großes emotionales Problem, und die Bulimie sei nur die Ursache dessen. Diese Theorie hat ernsthafte Risiken: denn wenn du nicht weißt, was dein "richtiges" Problem ist, und dir die Therapie auch nicht dabei hilft, es zu "finden", dann wirst du immer wieder zur Bulimie zurückkehren, weil dein echtes Problem ja (scheinbar) nicht bearbeitet ist. Du bist scheinbar psychisch richtig krank, weißt aber nicht, warum und woran das liegt. Allein die Vorstellung, psychisch krank zu sein, kann psychisch krank machen- das ist die sog. selbsterfüllende Prophezeiung. 
  4. "Du wirst dein Leben lang ein "trockener" Bulimiker sein."
    • Essen ist an sich keine suchtauslösende Substanz. Das Problem bei Bulimie ist, dass das Gehirn mit der Zeit erlernt hat, dass es sich durch Essen besser fühlt und daher immer und immer wieder nach der "Droge" Essen verlangt. Es gibt daher nur eine Änderung des Verhaltens, denn im Gegensatz zum Alkohol kann kein Mensch ohne Essen auskommen. An dieser Stelle sagen viele: "... und darum ist es auch so schwierig, von der Bulimie loszukommen, denn im Gegensatz zum Alkohol MUSS man essen und ist ständig mit dem Suchtstoff konfrontiert." Wenn das stimmen würde und man wirklich die Aussicht hätte auf eine lebenslanges Risiko, dann könnte wahrscheinlich niemand dauerhaft von Bulimie geheilt werden, denn wie wir heute wissen, ist die Willenskraft / Disziplin begrenzt. Man kann sich nicht tagelang disziplinieren, zusammenreißen und selbst kontrollieren. Denn die Wilenskraft ist wie ein Glas Wasser, das über den Tag aufgebraucht wird. Trinkt man morgens schon viel, dann bleibt für den Rest des Tages weniger übrig. Neue Verhaltensweisen entstehen im Gehirn durch ständige Wiederholung und irgendwann wählt man die Verhaltensweise automatisch. Ich muss beim Schuhebinden nicht mehr darüber nachdenken, welchen Schnürsenkel ich wie halte und binde, damit alles hält. Es funktioniert automatisch und kostet mein Gehirn so sehr wenig Energie. Genauso ist es auch mit der Heilung von Bulimie. Irgendwann ist der alte Weg "FA" nicht mehr da, weil er nicht mehr befahren wird, er ist unsichtbar und damit ungefährlich.
  5. "Irgendwann ist man zu alt oder hat zu lange Bulimie, um geheilt zu werden." 
    • Bereits in den 2000er Jahren wurde bewiesen, dass das menschliche Gehirn ein Leben lang in der Lage ist, sich neuen Anforderungen anzupassen. Genau DAS ist es, was einen überlebensfähigen Menschen gemäß Darwin nämlich ausmacht: nicht der stärkste, sondern der anpassungsfähigste Mensch überlebt. Und zwar durch die Bereitschaft, sein Gehirn zu fordern und sich wechselnden Gegebenheiten anzupassen. Die wechselnde Gegebenheit im Falle eines Lebens ohne Bulimie ist es, die bulimischen Symptome aufzugeben und sich den Herausforderungen des Alltags aktiv zu stellen. Lebenslanges Lernen ist im Grunde nicht sehr verschieden zu einer Verhaltensänderung, denn auch hier müssen neue Bahnen im Gehirn entstehen.
  6.  "Das Essen ist nicht das Problem."
    • Zuckerabhängigkeit, oder Abhängigkeit von Weißmehlprodukten; evtl. (beginnende) Insulinresistenz (reversibel!) ist ein zentrales Problem der Bulimie. Durch den gezielten Ausgleich des Nährstoffmangels bei Bulimie und die Verhaltensänderung kann sie geheilt werden. Darum ist die Wahl der Lebensmittel auch so wichtig, wenn man den Teufelskreis durchbrechen will. 
  7.  "Die Gefühle sind das Problem."
    • Alle Gefühle werden von uns bewertet - durch Gedanken. Du kannst deine Gedanken wieder unter Kontrolle bekommen! Jeder FA wird von bestimmten, wiederkehrenden, scheinbar zwanghaften Gedanken angekündigt. Du kannst lernen, diese Gedanken zu kontrollieren.
  8. "Du darfst dir keine Lebensmittel verbieten. Du musst alles essen können."
    •  Im Hinblick auf die Zucker-Übersensibilität stimmt das einfach nicht. Ich kann dir dazu das Buch "Zucker und Bulimie" empfehlen. In der ersten Phase, den ersten Monaten, solltest du wirklich auf Zucker- und Weißmehlprodukte verzichten. Verzichte auch darauf, dich zu "testen". Das bringt dich nur unnötig unter Druck, geht meistens (früher oder später) schief und hilft dir nicht weiter.
  9. "Normal zu essen heißt, das zu essen, was alle anderen auch essen."
    • Was bedeutet "normal essen" für dich? Morgens zum Frühstück Weißmehlbrötchen mit Marmelade, ein Käsebrot und Mittags Spaghetti mit Tomatensoße, und abends wieder das Käsebrot, so gut wie kein Obst und Gemüse, und wenn, dann wirst du von Familienmitgliedern oder anderen fast schon beschimpft, du würdest "zu gesund" essen? Um die Bulimie wirklich hinter dich zu lassen, musst du die Ernährungsweise für dich finden, mit der du dich wohlfühlst. Für mich gehören heute beispielsweise Obst und Gemüse selbstverständlich dazu, während ich mich während der Bulimie regelrecht dazu zwingen musste. Ich dachte, wenn ich schon etwas esse, dann muss es mir einen (Zucker-) Kick geben, sonst wäre es das nicht wert. Wenn das bei dir auch so ist, dann verurteile dich nicht dafür, sondern glaub an dich. Das kommt, wenn du ohne FAs essen kannst, fast von allein.

Samstag, 22. Februar 2014

3 Anregungen für eine positivere Lebenseinstellung

Wir alle leben in der gleichen Welt, aber wie diese Welt für den Einzelnen genau aussieht, bestimmt jeder von uns alleine, und zwar einzig und alleine durch seine Einstellung. Jeder kann seine Welt also tatsächlich ein bisschen besser machen, indem er seine Einstellung verbessert. Wie das kommt, zeigt dieses berühmte Zitat:
Wir sind, was wir denken.
Alles, was wir sind, entsteht in unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.
Sprich oder handele mit einem unreinen Geist,
Und Schwierigkeiten werden Dir folgen,
Wie das Rad dem Ochsen, der den Karren zieht.

Wir sind, was wir denken.
Alles, was wir sind, entsteht in unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.
Sprich oder handele mit einem reinen Geist,
Und Glück wird Dir folgen.
Wie Dein Schatten, unerschütterlich.
- Buddha

Hier zeige ich dir 3 relative einfache Dinge, wie du damit anfangen kannst, deine Einstellung zu verbessern.

1. Sei dankbar
Für was sollte ich dankbar sein, wenn in meinem Leben doch so vieles schiefläuft? So oder so ähnlich denken viele Leute. Mit dieser Einstellung machst du dein Leben aber unnötig schwer. Du kannst deine Sicht auf die Dinge stark verändern, indem an die guten Dinge in deinem Leben denkst und sie einfach erstmal nur beachtest. Du erkennst an, dass es sie gibt. Im nächsten Schritt kannst du dich für sie bedanken, denn es ist wirklich nicht selbstverständlich, dass es sie gibt.

2. Lebe achtsam und im Moment
Auch diesen Punkt kannst du ziemlich einfach umsetzen. Es ist aber wie bei allen anderen Punkten wichtig, dass du sie regelmäßig übst, damit sie dir dabei helfen, dein Leben wirklich zu verändern. Probiere es mal mit einer kleinen Übung aus: versuche, bewusst zu riechen. Wie riecht deine Umgebung? Was nimmst du wahr? Achtsamkeit kannst du auch üben, indem du deine Umgebung genau anschaust, oder indem du in deinen Körper hineinfühlst: Wie fühlen sich deine Füße gerade an? Fühl, wie du auf dem Boden stehst und wie sich der Boden anfühlt. Stehst du auf einem Teppichboden oder auf Fließen?

3. Übe dich in Gelassenheit
Was kann dir wirklich passieren, wenn X schief geht? Meist nicht viel. Was wirklich schlimm für uns ist und was wir tatsächlich verlieren können, wird uns oft erst durch einen schlimmen Schicksalsschlag klar- wenn beispielsweise ein Freund oder ein Elternteil schwer krank wird oder stirbt. Es scheint oft so, als wären wir erst dann in der Lage, wirklich ehrlich zu uns zu sein und uns zu fragen: Was ist mir wichtig? Diese Momente zeigen uns auch, wie vergänglich das Leben ist und wie unwichtig die alltäglichen Dinge sind, die wir als Probleme betrachten. Wir stellen fest, dass viele dieser Probleme in Wirklichkeit Nebensächlichkeiten sind und dass wir uns auf andere Aspekte unseres Lebens viel mehr konzentrieren sollten. Es ist in sehr vielen Fällen angebracht, die Dinge gelassen zu sehen und sich nicht bei jeder Kleinigkeit, die uns nicht in den Kram passt, aufzuregen. Auch hier fallen diese Dinge oft erst auf, wenn man bewusst durch sein Leben geht. Dann wird es dir irgendwann fast schon schwer fallen, bei jeder Kleinigkeit zu fluchen oder dich selbst runterzumachen, eben weil du erkennst, dass es keinen Sinn ergibt.

Samstag, 15. Februar 2014

Warum Sport bei dem Ausstieg aus der Bulimie helfen kann

Ich habe ja schon öfter geschrieben, dass Sport sehr viele gute Nebenwirkungen hat.
Nun habe ich ein wissenschaftliches Paper entdeckt, das sämtliche positive Wirkungen von Sport auf den Punkt bringt: 

Veränderungen auf körperlicher Ebene:
  • Veränderungen des Bewegungsapparats, Erlernen von Bewegungen
  • Energiestoffwechsel wird reguliert
  • endokrines System (Hormonausschüttung) kommt ins Gleichgewicht
  • Herz-Kreislaufsystem wird gestärkt
  • Atmungs- und Nervensystem
  • konditionelle Verbesserungen
  • langfristig protektive Wirkung
Veränderungen auf psychischer Ebene:
  • neben sportimmanenten Wirkungen auch sporttranszendente Wirkungen > Auswirkungen nicht nur während des Sports, sondern auch im Alltag
  • Stärkung des Selbstbewusstseins ("Ich weiß, wer ich bin")
  • positive Selbstwirksamkeit ("Ich weiß, dass ich etwas kann und etwas schaffe")
  • größere Zufriedenheit mit sich und dem Körper
  • sportbezogene Erfahrungen haben gute Auswirkungen auf das allgemeine Selbstkonzept
  • Veränderung des Körperkonzepts
  • Sport führt zu einem attraktiveren Körper
  • Veränderungen der Selbstwirksamkeit sind Folge der individuellen physischen Leistungsfähigkeit
  • Selbstwirksamkeit erzeugt Kompetenzerfahrungen, die das Selbstwertgefühl steigern, entweder über die sportliche Kompetenz oder indirekt über Veränderung der Körperakzeptanz
  • positive Wirkung auf exekutive Funktionen (Planung), kognitive Flexibilität (durch den Sport entstehen Veränderungen im präfrontalen Kortex) 
  • erhöhte Problemlösefähigkeit
  • Handlungskompetenz
  • strategische Kompetenzen
  • Einsichtsfähigkeit
  • Impulskontrolle
  • Frustrationstoleranz
  • besseres Gedächtnis
  • schnellere Entscheidungsprozesse
  • bessere Lese- und Schreibfähigkeit bei Schülern
  • emotionale Ressourcen (Erlernen des Umgangs mit Erfolgs-, aber auch Frustrationserlebnissen)
  • Erlernen von Strategien zur Stressbewältigung (Coping)
  • Optimismus, Empathie, Zufriedenheit
  • höhere Willenskraft (Volition)
Ich finde, alle genannten Aspekte sind unendlich wichtig auf dem Weg aus der Bulimie! Da bleiben keine Argumente mehr gegen den Sport übrig. Oder?

Literatur:
Schneider, S., Diehl, K.: Mehr als Nebenwirkungen. Ein theoretisches Modell zu den physischen, psychischen und sozialen Wirkungen des Sports. In: Sport Orthopädie Traumatologie, 2013.